04 | 08 | 2026
Eine Ära geht zu Ende
Hauswart Dragutin Draganic geht nach fast 27 Jahren in Pension. Seinen Nachfolger Kelvin Beyeler hat er sorgfältig eingearbeitet.
Dragutin Draganic verbindet eine lange Geschichte mit dem Gemeindehaus Oekolampad. Kurz vor der Jahrtausendwende wurde er hier Hauswart, er kennt jeden Winkel des Hauses und hat an gefühlt jeder Schraube schon einmal gedreht. «Drago», wie er kurz genannt wird, hat im Gemeindehaus über die Jahre zig Feste ausgerichtet und jede Panne behoben. «Einmal gab es einen schlimmen Wasserschaden», erinnert er sich, «hier stand das Wasser 1,5 Meter hoch», sagt der bald 64-Jährige und zeigt in seiner Werkstatt an die Stelle auf der Wand. «Alles war kaputt, der Boden, die Heizung, einfach alles.» Er erinnert sich aber auch an besonders schöne Momente, zum Beispiel an grosse Feiern, die hier stattfanden. «Wir hatten tamilische und türkische Hochzeiten mit bis zu 700 Personen, das war schon verrückt.» Gerne denkt er auch an die JazzKuchi zurück, die monatlich stattfand, und wo bis 23 Uhr die Musik spielte. Immer war er zur Stelle, schloss Türen auf und zu, organisierte Stühle und Tische, putzte und reparierte und hielt das Haus in Schuss.
Das erweiterte Zuhause
Wenn Drago heute im Gemeindehaus durch die Gänge geht, kommen ihm Erinnerungen an seine Kinder, die im und mit dem Haus gross geworden sind. Fünf und zehn Jahre waren sie alt, als er hier angefangen hat. «Wir haben 20 Jahre lang im 1. Stock gewohnt, das Gemeindehaus war unser erweitertes Zuhause.» Sie spielten im Garten zusammen Fussball und Tischtennis und die Kinder begleiteten ihn gerne in seine Werkstatt im Keller. «Sie wollten immer mithelfen», schmunzelt Drago, und in seiner Aussage schwingt ein kleines bisschen Wehmut mit. Bald wird er seine geliebte Werkstatt nämlich abgeben, denn Drago wird im August 2026 pensioniert. Es geht ein bedeutsames Kapitel seines Lebens zu Ende. Hier kannten ihn alle, hier fühlte er sich von allen geschätzt. «Es waren immer nette Leute hier», sagt er.
Sein Nachfolger ist bereit
Allzu viel Zeit für Wehmut bleibt ihm aber nicht, denn sein Nachfolger Kelvin Beyeler ist schon da und will eingearbeitet werden. «Seit zwei Monaten begleitet mich Kelvin die halbe Woche bei der Arbeit und ich zeige ihm alles», sagt Drago. Zum Beispiel, wie er die verstopften Rohre bei der Terrasse repariert oder wie sich die Feuchtigkeit im Keller am besten beseitigen lässt. Natürlich führt er ihn auch in die Gartenarbeit ein, die Drago so gerne gemacht hat. Was für ein Glück, dass auch Kelvin die Natur mag. «Ich bin in Binningen aufgewachsen und war als Kind oft auf dem Bauernhof helfen», sagt der 35-Jährige. Dass er hier einen grossen Garten pflegen darf, freut ihn besonders.

Kelvin ist gelernter Logistiker und arbeitet seit der Neueröffnung der Kuppel vor zwei Jahren dort zu 50% als Hauswart. Tobit Schäfer, Stiftungsratspräsident der Stiftung Kuppel und Geschäftsleiter der Wibrandis Stiftung, kam vor einem Jahr mit dem Vorschlag auf ihn zu, zu weiteren 50% die Nachfolge von Drago zu übernehmen. «Dieses Angebot kam sehr überraschend und hat mich total gefreut», sagt Kelvin. Er brauchte nicht lange, um sich für den Job zu entscheiden. «Nach den drei Schnuppertagen war mir klar, dass ich diese Stelle will.» Er schätzt die Vielseitigkeit der Arbeiten und das persönliche Umfeld, das auch Drago in all den Jahren gutgetan hat.
Bei Problemen genügt ein Anruf
Bis Drago seine Aufgaben ganz in Kelvins Hände übergibt, müssen die beiden noch vieles absprechen. Drago bringt ihm alle Handgriffe bei und zeigt ihm, wie die Arbeitsabläufe am einfachsten gehen. «Ich habe in Drago einen sehr guten Lehrmeister», sagt Kelvin anerkennend. Auch Drago ist zufrieden. «Du machst das gut! Und wenn du mal nicht weiterweisst, rufst du mich an. Ich wohne nur 400 Meter von hier.»

Für Drago wird es nicht leicht sein, das Oekolampad abzugeben. «Vieles wird mir fehlen», sagt er. Die vielen netten Menschen etwa oder die tägliche Znünipause im Café Huefyse an der Ahornstrasse. Nach der Pensionierung möchte Drago viel Zeit mit seinen zwei Enkelkindern verbringen und wieder öfters in sein Heimatland Kroatien zu seiner Familie reisen. Allzu weit kann er in nächster Zeit aber nicht gehen: Seine Frau wird noch drei Jahre arbeiten und auch er ist im Gemeindehaus Oekolampad schon bald wieder gefragt. Kelvin wird Ende Oktober das erste Mal Vater und Drago wird seine Vaterschaftsvertretung übernehmen.
Gut möglich also, dass in ein paar Jahren wieder kleine Kinder in der Werkstatt herumspringen und ihrem Papi bei der Arbeit helfen.
Jennifer Degen